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(R)echte Liebe

06 Februar 2012


Als ich das gelesen habe, musste ich kurz den Atem anhalten. Den so was finde ich am schlimmsten, wenn man mit jemanden zusammen ist, den man überalles liebt und die Familie respektiert einen nicht. Weil du aus einen anderen Land kommst oder eine andere Religion hast. Man ist nicht gleich mit der ganzen Familie zusammen und lebt mit denen. Man liebt bzw. man ist ja nur mit dem Partner zusammen und der musst dich lieben, wie du bist. Oder wie kann sich eine Türkin und ein Nazi verlieben?! So was hab ich noch nie verstanden und verstehe ich bis heute nicht, dass man so sein kann. Da ihr wisst von was ich rede, könnt ihr die Geschichte hier lesen (der Name wurde von der Redakteurin geändert):
Das Schlimmste, das dir als Türkin passieren kann: Du verliebst dich in jemanden, den du hassen solltest. Einen Nazi.
Du bist einer dieser Neo-Nazis, die man mit freiem Auge nicht erkennt. Du läufst nicht wie ein Skinhead herum und zu deinen besten Freunden zählen Araber und Türken. Keiner von ihnen weiß, dass du bei der Freiheitlichen Jugend angemeldet bist, dass dein Bruder, deine Mutter, sogar deine Nachbarn superrechts sind – und dass du wie sie denkst und redest und gegen Ausländer hetzt, wenn ich nicht dabei bin.
Bei unserem ersten Date hast du mir von deinen zwei Nazi-Brüdern erzählt und du hast nichts verschwiegen. Sie liebten es angeblich, Ausländer in Tiefgaragen K.O. zu schlagen und zu treten. Ihr Tischgebet : „Danke, dass wir nicht beim Kümmeltürken einkaufen müssen.“ Du hast von den beiden erzählt, ohne dich darüber aufzuregen. Es schien okay für dich zu sein.

Eigentlich hätte mich das abschrecken sollen, glaube ich heute. Du wolltest vielleicht gar nicht, dass ich mich in dich verliebe. Aber es war schon zu spät. Ich redete mir ein, diese Geschichten könnten nicht wahr sein. Du und deine Familie würden schon nicht so schlimm sein.
Deine Familie wusste gleich, dass wir zusammen sind. Und gleich am ersten Tag ging es mit dem Mobbing los. Sie wollten nicht, dass ich in der Nähe ihres Sohnes bin, immerhin bin ich keine „originale“ Österreicherin, meine Eltern sind zugewandert.
Du hast anfangs erzählt, ich sei Italienerin. Ist ja noch etwas Europäisches, damit konnten sie leben, obwohl sie es auch nicht sehr toll fanden. Dann durchstöberte einer deiner Brüder meine Geldbörse und sah meinen türkischen Namen. Wir mussten es zugeben. Von da an wurde es richtig schlimm.
„Wenn meine Brüder dich sehen, willst du keine Beziehung mehr“, hast du gesagt. Ich weiß nicht genau, was du meintest. Ich stellte mir darunter vor, dass sie körperlich auf mich losgingen, mich verletzten – sie hatten ja auch Waffen.
Irgendwann kam der Punkt, da glich unsere Beziehung einem Versteckspiel. Deine Mutter erlaubte dir gar nicht mehr, mich zu sehen – obwohl ich nichts gemacht hatte; es war nur aus dem Grund, dass ich eben keine Österreicherin bin und sie mich nicht mochte; und immer, wenn wir uns trafen, sagtest du deiner Mutter, du seist mit einem Freund unterwegs.
Manchmal übernachtete ich bei dir, aber versteckt. Fünf Uhr in der Früh wurde ich von dir rausgeschmissen – niemand durfte mich entdecken. Der Rückweg war lang, die U-Bahn-Fahrt von Alt Erlaa in die Stadt deprimierte mich, manchmal weinte ich sogar, ich verfluchte unsere Beziehung, die einfach keine Beziehung war. Für mich war es Folter.
Ich begann, mich bei Freunden auszuheulen, wie man das so macht. Ich sprach aber nur kurz an, dass deine Mutter  ein wenig rassistisch sei, aber das sei okay. Nein, war es nicht, in Wahrheit war es das Hauptproblem! „Wenn die Familie meines Freundes mich nicht mögen würde, ich würde mich trennen“, sagte zum Beispiel eine gute Freundin zu mir, die schon seit zwei Jahren einen Freund hatte, der, so wie sie, aus Serbien kam. „Die Familie ist das Wichtigste.“
Genau. Familie ist das Wichtigste. Aber was tun, wenn man gleichzeitig eine Freundin haben möchte, die nicht ins Bild der Familie passt?
Zuerst wurde ich gehasst, dann wendete sich der Hass auch gegen dich. Deine Brüder sprachen kein Wort mehr mit dir – wegen mir! Ich fühlte mich schlecht, ich wollte keine Familien auseinander ringen. Aber wir waren zu verliebt.
Irgendwann, nach fast einem dreiviertel Jahr, konnte ich es nicht mehr aushalten. Ich fand es zwischen uns längst nicht mehr so romantisch, es reizte mich nicht mehr, dass ausgerechnet du, der Neo-Nazi, dich in MICH verliebt hattest. Unsere Beziehung war mir egal, und ich habe dich einfach betrogen, mit einem meiner besten Freunde.
Und weißt du, was gut getan hat: Endlich nicht mehr mit einem Rechten zusammenzusein. Er war selbst ein Halbtürke, unsere Väter kamen sogar aus derselben türkischen Stadt, es passte auf Anhieb. Wir konnten über dasselbe reden, ich bekam nicht gleich furchteinflößende Geschichten von prügelnden Neo-Nazis erzählt.
Jetzt, wo ich dich betrogen hatte, wo alles eigentlich schon sinnlos war, weil meine Hoffnung auf eine gelingende Beziehung weg war – die Hoffnung stirbt zuletzt –, machte ich Schluss. Zwei Tage ohne dich, ich hielt es nicht aus, ich vermisste dich – wir kamen wieder zusammen.
Es änderte sich aber nichts – und ich machte  kurzeine Woche später wieder Schluss. Ein Theater. Aber jetzt war es endgültig aus – endlich! Nie wieder Neo-Nazis!
Aber du fehlst mir. Ich liebe dich immer noch!


von Güneş Ay (Name geändert) und Philipp Tomsich (Foto)
Quelle

1 Kommentare:

frank1488 schrieb am 2. Mai 2012 um 10:16 folgenden Kommentar:

Hallo

Ich bin erstaunt das er überhaupt etwas mit dir angefangen hat.
Bis vor 2 monaten , hätte ich zu dir gesagt das du dir lieber ein Türken suchen sollst.
Finde das Rassenvermischung nicht richtig ist.
Also soll Gelb mit Gelb , Schwarz mit Schwarz , Türkin mit Türke , Deutsche mit Deutschen usw.usw...
Ich bewege mich fast 30 in der Rechten Szene.
Aber vor 2 monaten lernte ich eine Türkin auf ein
OI Konzert kennen. War alles ok hatten einiges getrunken rum gemacht und tollen Sex.
2 Tage später telefonierten wir und verabredeten wir uns.
Gleich nach den telefonat hab ich gedacht scheisse was machst du für ein mist. Sie ist eine Türkin das ist nicht richtig lass es sein lass die finger von ihr sowas bringt doch nur ärger.
Am nächsten Tag kurz vor den Treffen hatte ich mir vorgenommen ihr zusagen das es nix wird mit uns.
Dann das treffen:
Sie stand vor mir und küsste mich zur begrüssung.
Und jetzt fragt man sich was nun.
Also wir sind nun ein Paar seitdem.
Mit meiner Familie ist alles geklärt und Sie ist willkommen.
Mein engster freundeskreis weis bescheid und respektiert das auch.
Der rest meiner freunde weis das noch nicht sie werden es sehen und dann wird man sehen wer noch da ist.
Ist auch völlig egal.

Also was ich damit sagen will ist.
Er kann dich nicht doll geliebt haben sonst hätte er sich vor dir gestellt.

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